In Sachen Datenschutz steht Brasilien noch am Anfang. Doch diese Schritte sind entschlossen und sehr wichtig. Würde man die Gesetzgebung mit einem Kind vergleichen, gäbe es in den kommenden Tagen eine Party mit Kuchen und Brigadeiro (einer brasilianischen Schokoladensüßigkeit): Am 18. September jährt sich das Inkrafttreten des Allgemeinen Datenschutzgesetzes (LGPD, Gesetz 13.709/2018) zum vierten Mal.
Nur vier Buchstaben, aber sie haben eine enorme Wirkung erzielt – und zwar eine positive! In den letzten Jahren hat das Thema Datenschutz in Brasilien an Bedeutung gewonnen und wird in den Medien, in Unternehmen und in der Gesellschaft allgemein diskutiert. In vielen Ländern war Informationssicherheit jedoch schon Realität, bevor sich das Internet als Arbeits- und Unterhaltungswerkzeug etablierte.
Anders ausgedrückt: Das brasilianische Denken, sowohl individuell als auch unternehmerisch, steckt noch in den Kinderschuhen, während das europäische Denken bereits auf eine ausgereifte Datenschutzkultur zurückblicken kann. Dies liegt unter anderem daran, dass 1981 in Europa der Internationale Datenschutzvertrag (DSGVO) verabschiedet wurde, ein Dokument, das später die Grundlage für weitere Regelungen bildete.
Seit dem Inkrafttreten des brasilianischen Datenschutzgesetzes (LGPD) vor vier Jahren haben einige Unternehmen die notwendigen Instrumente ergriffen, um die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten und Haftungsrisiken sowie Probleme im Bereich Datenschutz zu vermeiden. Zuvor ignorierte die große Mehrheit das Thema jedoch und verfügte über keine Richtlinien, die ein akzeptables Sicherheitsniveau für personenbezogene Daten gewährleisteten.
Trotz zahlreicher Debatten und negativer Vorfälle gibt es immer noch viele Unternehmen, die keine technischen und administrativen Maßnahmen, wie beispielsweise Sicherheitsrichtlinien, zur Einhaltung des brasilianischen Datenschutzgesetzes (LGPD) umgesetzt haben. Sie nehmen bewusst Risiken in Kauf und vernachlässigen dabei ihre Datenbanken und Kunden. Eine Umfrage der Daryus Group ergab, dass 80 % der brasilianischen Unternehmen das LGPD noch nicht vollständig umsetzen – 35 % gaben an, es teilweise zu erfüllen, und 24 % befinden sich noch in der Anfangsphase der Umsetzung.
Die Nationale Datenschutzbehörde (ANPD), die für die Regulierung, Überwachung und Durchsetzung der Gesetze zum Schutz personenbezogener Daten zuständig ist, geht aktiv und wachsam gegen Missbrauch zum Nachteil der Betroffenen vor. Anders als bis vor Kurzem angenommen, ist das Internet kein rechtsfreier Raum.
In vielen Fällen veranlasst die Angst vor Strafen und Sanktionen gemäß dem brasilianischen Datenschutzgesetz (LGPD) sowie die Einhaltung vertraglicher Vorgaben Unternehmen zur Einrichtung einer Datenschutzstruktur. Unternehmen sollten jedoch nicht nur gesetzliche Vorgaben, sondern vor allem das Engagement für die Sicherheit ihrer Kunden und Mitarbeiter motiviert sein. Informationen sind für Unternehmen zudem äußerst wertvoll. Sie ermöglichen es ihnen, die Gewohnheiten und Konsummuster ihrer Kunden zu verstehen und so Service- und Produktangebote vorherzusehen oder ihre Strategien anzupassen.
Obwohl immer mehr Menschen verstehen, dass der Schutz ihrer persönlichen Daten ein gesetzlich garantiertes Recht ist, nutzen Kriminelle Schwachstellen in Unternehmen und Systemen aus, um diese Informationen zu stehlen, da Daten auf dem Schwarzmarkt sehr wertvoll sind. Untersuchungen von Cybersecurity Ventures deuten darauf hin, dass Cyberkriminalität bis 2025 jährlich geschätzte Verluste von rund 10,5 Billionen US-Dollar verursachen wird.



