Brasilien geht als weltweit am schnellsten wachsender Markt für Werbeinvestitionen ins Jahr 2026. Laut Dentsus „Global Ad Spend Forecasts“ wird dieses Wachstum durch zwei strukturelle Faktoren angetrieben: die FIFA-Weltmeisterschaft und die Präsidentschaftswahlen. Die Studie prognostiziert für dieses Jahr ein Wachstum der globalen Werbeinvestitionen um 5,1 % auf über 1 Billion US-Dollar, wobei Brasilien mit einem Zuwachs von 9,1 % heraussticht.
Haupttreiber dieses Wachstums ist digitale Werbung. Die Prognose sagt ein Wachstum von 6,7 % im Jahr 2026 voraus, wodurch fast 70 % aller globalen Werbeinvestitionen auf digitale Werbung entfallen werden. Angesichts dieses Strukturwandels hat US Media, ein auf digitale Werbung spezialisiertes Unternehmen, die Trends analysiert, die Marken bereits ab 2026 zu einem weniger fragmentierten und stärker integrierten Vorgehen zwingen werden, indem sie Technologie, fortschrittliche Messmethoden und Kreativität kombinieren.
Nachfolgend sind die 6 wichtigsten Trends aufgeführt, die von Bruno Belardo, VP of Sales bei US Media, hervorgehoben wurden.
1) Künstliche Intelligenz ist kein bloßes Konzept mehr, sondern hat sich zur Marketinginfrastruktur entwickelt
Nach einer anfänglichen Experimentierphase rückt künstliche Intelligenz in den Mittelpunkt der Marketingaktivitäten. Bis 2026 wird sie für die Branche weiterhin höchste Priorität haben, wobei 45 % der CMOs in ihre Einführung investieren, um die Effektivität und Effizienz ihrer Strategien zu steigern.
Laut dem Experten betrifft dies vier Bereiche:
- Personalisierung im großen Stil: Erlebnisse und Abläufe, die zu 100 % auf jeden einzelnen Nutzer zugeschnitten sind.
- Fortschrittliche prädiktive Modellierung: inkrementelle Messung, Bedarfsprognose und weniger Entscheidungsfindung nach dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip.
- Automatisierte und intelligente Kundenerfahrung: Chatbots, die in das CRM integriert sind, lösen umfassende Probleme und fungieren als natürliche Erweiterung von Marketing und Vertrieb.
„Die zunehmende Reife der Text-, Bild- und Videoproduktion steigert zwar Geschwindigkeit und Umfang, bringt aber auch neue ethische Herausforderungen mit sich, wie etwa Transparenz, Repräsentativität und urheberrechtliche Grenzen“, kommentiert der Manager.
2) Retail Media konsolidiert den Einzelhandel als Medienplattform
Für den Einzelhandel wird ein Wachstum von 14,1 % im Jahr 2026 prognostiziert. Bis 2028 dürfte er die bezahlte Suche überholen und sich neben sozialen Medien und Suchmaschinen als dritter dominanter digitaler Kanal etablieren. Dieses Wachstum wird von Giganten wie Amazon, Mercado Libre und großen regionalen Einzelhändlern wie Cencosud angetrieben.
Für Belardo ist die Logik einfach: „Der Markt wird noch stärker auf First-Party-Daten für Segmentierung, Messung und Leistungsanalyse angewiesen sein. Der Einzelhandel wird nicht nur zu einem Verkaufspunkt, sondern zu einer kompletten Medienplattform.“
3) CTV tritt in die fortgeschrittene Messphase ein
Die Migration vom linearen Fernsehen zum digitalen Fernsehen beschleunigt sich und macht vernetzte Fernseher zu einem der gefragtesten Segmente des kommenden Jahres. Laut Dentsu wird das Investitionsvolumen in CTV bis 2026 voraussichtlich um 9,5 % steigen, angetrieben durch den zunehmenden Konsum werbefinanzierter Streaming-Dienste.
Für den Markt bedeutet dies die bisher fehlende Marktreife, um Investitionen anzuziehen, die sich zuvor auf das klassische Fernsehen konzentrierten. Laut dem Vizepräsidenten für US-Medien wird der entscheidende Faktor im Jahr 2026 die Messbarkeit von Wirkung und Frequenz, Innovationen im CTV-Mediaplan (durch segmentiertere Optionen wie Vevo) und der tatsächliche Beitrag von Kampagnen in CTV- und Streaming-Umgebungen sein.
4) Die neue Logik der Innovation ist pragmatisch
Die Ära der „bahnbrechenden Innovationen“ verliert an Bedeutung. Ab 2026 werden praxisorientierte Lösungen, die auf Daten und dem tatsächlichen Konsumverhalten basieren, an Bedeutung gewinnen. Belardo nennt drei Innovationssäulen für das kommende Jahr: Innovationen, die konkrete Probleme lösen, Innovationen, die Daten in konkrete Maßnahmen umsetzen und nicht nur Berichte erstellen, und Innovationen, die Abläufe vereinfachen und so Wettbewerbsvorteile verschaffen. „In einer komplexen Welt gewinnen Marken, die das Leben der Menschen vereinfachen“, betont er.
5) Aus automatisierten Dienstleistungen entwickeln sich umfassende Erlebnisse
Der automatisierte Kundenservice entwickelt sich rasant weiter und geht über die reine Triage hinaus. Bis 2026 werden Chatbots Verhaltenshistorie, CRM und die gesamte Customer Journey integrieren. Laut Belardo liegt die Herausforderung darin, Technologie und menschliches Einfühlungsvermögen in Einklang zu bringen: „Der persönliche Kontakt ist nach wie vor unerlässlich für den Aufbau von Vertrauen. Automatisierung kann ihn nicht ersetzen.“
6) GEO definiert die Logik von Inhalten in einer KI-gesteuerten Welt neu
Da künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle bei der Informationsfindung und -empfehlung einnimmt, ergibt sich eine neue strategische Priorität: GEO (Generative Engine Optimization).
GEO unterstützt Marken dabei, klare, präzise und verlässliche Inhalte zu erstellen, die von generativen Modellen zur Beantwortung von Nutzerfragen herangezogen werden können. Angesichts der Informationsflut und der fragmentierten Aufmerksamkeit hängt Sichtbarkeit nicht nur von SEO ab, sondern auch von der Fähigkeit, konsistente Ökosysteme aufzubauen, die Kreativität, Daten und Technologie miteinander verbinden.
„Bis 2026 wird GEO zu einem Wettbewerbsvorteil werden: Es ist die neue Grenze, um Präsenz, Relevanz und Kontinuität in einem Umfeld zu gewährleisten, in dem KI zunehmend Informations- und Konsumprozesse vermitteln wird“, so das Fazit des Managers.



