Die Art und Weise, wie Konsumenten Produkte und Dienstleistungen entdecken, verändert sich rasant. Anstatt direkt in Suchmaschinen zu suchen oder Marktplätze zu durchstöbern, nutzen immer mehr Menschen ChatGPT, Gemini, Copilot und andere KI-Tools, um Empfehlungen einzuholen, Optionen zu vergleichen und Unklarheiten vor einer Kaufentscheidung zu beseitigen. Für Unternehmen stellt diese Entwicklung eine neue Herausforderung dar: Wie kann die Marke in den KI-generierten Antworten präsent sein?
Diese Entwicklung folgt dem Trend des sogenannten agentenbasierten Handels, bei dem Assistenten und KI-Systeme eine immer wichtigere Rolle im Kaufprozess spielen. Laut dem „Agentic Commerce Report “ von Worldpay sind 39 % der Brasilianer bereit, in den nächsten zwölf Monaten KI-gestützte Käufe auszuprobieren. Verbraucher schätzen, dass in fünf Jahren elf Prozent ihrer Einkäufe von KI-Bots getätigt werden. Die Studie zeigt außerdem, dass 57 % der Befragten Schnelligkeit und Komfort als Hauptvorteile dieses Modells nennen. Dies deutet darauf hin, dass KI bei der Produktfindung und -empfehlung eine immer wichtigere Rolle spielen wird.
Das bedeutet, dass der Kampf um die Aufmerksamkeit der Online-Konsumenten nicht mehr nur auf Suchmaschinenergebnisse beschränkt ist, sondern sich nun auch in den Antworten von KI-Modellen widerspiegelt. Fragt jemand beispielsweise „Welche ist die beste Online-Bank?“, „Welcher Laptop bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis?“ oder „Welche E-Commerce-Plattform eignet sich am besten für kleine Unternehmen?“, kann die Antwort anhand der Informationen generiert werden, die diese Tools über die im Internet verfügbaren Marken finden und interpretieren.
Laut Eduardo de Barros, einem Spezialisten für digitales Marketing und CEO von IDK Brasil, durchläuft die digitale Welt einen Wandel, der der Popularisierung von Suchmaschinen ähnelt, jedoch mit einer anderen Logik: Marken müssen nicht nur gefunden, sondern auch von neuen Technologien als relevante Quellen anerkannt werden.
„Unternehmen müssen verstehen, dass es im Wettbewerb nicht mehr nur um Klicks bei Google geht, sondern um Relevanz innerhalb von Systemen der künstlichen Intelligenz. Je konsistenter und zuverlässiger die digitale Präsenz einer Marke ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie in den von diesen Modellen generierten Antworten berücksichtigt wird.“
Von der Suche nach Links bis zur Suche nach Antworten
Viele Jahre lang waren digitale Strategien darauf ausgerichtet, gute Platzierungen in Suchmaschinen zu erzielen. Ziel war es, den Nutzer zum Klicken auf einen Link und zum Besuch der Unternehmenswebsite zu bewegen. Mit der zunehmenden Verbreitung generativer KI beginnt sich diese Dynamik zu verändern.
Anstatt dem Nutzer Dutzende von Ergebnissen zur Auswahl zu präsentieren, liefern Tools wie ChatGPT und Gemini vorgefertigte, zusammengefasste und kontextbezogene Antworten. „In vielen Fällen muss der Verbraucher nicht einmal mehr mehrere Websites besuchen, um die gesuchten Informationen zu finden. Daher ist es für Unternehmen ein neues Ziel, von künstlicher Intelligenz erwähnt zu werden, insbesondere in Segmenten, in denen der Markenvergleich Teil der Kaufentscheidung ist“, betont Eduardo de Barros.
Was erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass eine Marke in KI-Antworten erscheint?
Um die Chancen auf ein Erscheinen in den KI-Ergebnissen zu erhöhen, betont Eduardo, dass es nicht ausreicht, ausschließlich in Anzeigen oder traditionelle Suchmaschinenoptimierungstechniken zu investieren. „Künstliche Intelligenz bevorzugt tendenziell klare, vollständige Inhalte von Quellen, die als vertrauenswürdig gelten.“
Das bedeutet, institutionelle Informationen aktuell zu halten, Produkte und Dienstleistungen präzise zu beschreiben, Artikel zu verfassen, die die wichtigsten Fragen der Öffentlichkeit beantworten, und sich in geschäftsrelevanten Themen als Experte zu positionieren. Auch die Präsenz in Medien, Marktforschung, Interviews, Umfragen und andere Inhalte, die die Glaubwürdigkeit der Marke stärken, sind wichtig.
„Es gibt keine exakte Formel, um eine KI dazu zu bringen, ein Unternehmen zu empfehlen. Der Schlüssel liegt darin, sich im Laufe der Zeit Autorität aufzubauen. Je mehr hochwertige Referenzen über eine Marke vorliegen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie in den Suchergebnissen erscheint, wenn jemand eine Frage zu ihrem Markt stellt“, erklärt der Experte.
GEO entsteht als Weiterentwicklung digitaler Strategien
Diese Transformation treibt auch ein neues Konzept im digitalen Marketing voran: die Generative Suchmaschinenoptimierung (GEO). Während SEO darauf abzielt, die Positionierung in traditionellen Suchmaschinen zu verbessern, vereint GEO Praktiken, die darauf abzielen, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass eine Marke von Modellen künstlicher Intelligenz verstanden und als Referenz verwendet wird.
Auch wenn es sich noch um eine Strategie in der Entwicklung handelt, bleibt das Prinzip dasselbe: Je konsistenter, organisierter und zuverlässiger die über ein Unternehmen verfügbaren Informationen sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie in KI-generierten Antworten erscheinen.
Dies umfasst alles von der Erstellung spezialisierter Inhalte bis hin zur Pflege standardisierter Informationen über das Unternehmen über verschiedene digitale Kanäle hinweg, wodurch es für Modelle der künstlichen Intelligenz einfacher wird, diese Daten zu interpretieren.
Die Konsumenten haben sich verändert, und Marken müssen sich anpassen
Die zunehmende Verbreitung generativer KI verändert nicht nur das Suchverhalten der Konsumenten, sondern auch die Art und Weise, wie Unternehmen ihre digitale Präsenz gestalten. Während die Strategie früher darauf abzielte, Besucher über Suchmaschinen auf eine Website zu locken, konkurrieren Marken heute um die Platzierung in den Suchergebnissen von KI-Assistenten, die Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenführen und anschließend Empfehlungen aussprechen.
Oberflächliche Inhalte oder solche, die ausschließlich zur Verbesserung des Suchmaschinenrankings erstellt werden, verlieren schnell an Relevanz. Wichtiger wird es hingegen, Autorität zu einem bestimmten Thema aufzubauen, konsistente Informationen zu veröffentlichen und die Präsenz der Marke in verschiedenen als zuverlässig geltenden Quellen wie Nachrichtenberichten, Studien, Fachwebseiten und institutionellen Kanälen zu gewährleisten.
Für Eduardo de Barros markiert dieser Wandel eine neue Phase der digitalen Transformation im Marketing. „Bisher erstellten Unternehmen Inhalte vor allem mit Blick darauf, wer danach suchen würde. Nun gibt es einen neuen Vermittler in diesem Prozess: Künstliche Intelligenz. Dies erfordert eine deutlich klarere, strukturiertere und zuverlässigere Kommunikation, da die künstliche Intelligenz die Informationen interpretiert, bevor sie dem Konsumenten präsentiert werden.“
SEO bleibt zwar unerlässlich, doch künstliche Intelligenz verändert die Art und Weise, wie Unternehmen online gefunden werden. Während früher das Hauptziel darin bestand, unter den ersten Suchergebnissen zu erscheinen, ist es nun auch wichtig, in den Empfehlungen von Tools wie ChatGPT und Gemini präsent zu sein.



